Zahlen & Zählen: bei uns wohnt jetzt Graf Zahl!

Die erste Faszination für Zahlen begann beim Mini vor etwa einem Jahr, als er auf einmal Interesse an Hausnummern entwickelte. An jedem Haus mussten wir stehen bleiben und die ziemlich unterschiedlichen Ziffern anschauen. Bei Hausnummern kommt ja häufig erschwerend hinzu, dass nicht nur die Zahlen selbst sich unterscheiden, sondern der Schriftstil ja auch sehr voneinander abweicht. So kann eine 7 an drei verschiedenen Häusern ganz anders aussehen. Wir haben also letztes Jahr viel Zeit damit verbracht, vor fremden Haustüren herumzulungern und Zahlen zu erkennen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie oft einem im Alltag Zahlen begegnen – als Erwachsener fällt einem das tatsächlich kaum noch auf.

Ich habe damals angefangen, einige Texte zur Einführung von Zahlen zu lesen und mir verschiedene Materialien anzusehen. Eine gewisse Unsicherheit, ob ich das jetzt wirklich unterstützen soll, machte sich breit – ich bin schließlich keine Ballett-Frühförder-meinKindlerntMandarin-Mutti, die alles nur noch durch die Lern-Brille sieht. Viele Texte aus dem Montessori-Kosmos haben mich dann darin bestärkt, solche sensiblen Phasen aufzunehmen und meinem Kind zu seinen Interessen passendes „Futter“ anzubieten.

Follow the child: Interessen aufnehmen

Das erste Material, was ich dem Mini deshalb zu Hause angeboten habe, sind Zahlenkarten, mit denen er fleissig die Zahlen bis 10 erkannt und benannt hat. Ich habe die Zahlen bei der Wunderwerkstatt gefunden (wenn das Werbung ist, dann umbeauftragt und aus Überzeugung!), ich finde sie aber auf der Seite nicht mehr. Der Mini hat die Karten geliebt und mag sie auch heute noch sehr gerne. Das Interesse an Zahlen erkennen hielt einige Wochen an, bis alle Zahlen bis 12 wirklich sicher identifiziert werden konnten – und flaute dann wieder ab. 

Ich hatte damals auch bereits Zählkarten mit kleinen Zahlen von der Wunderwerkstatt ausgedruckt – aber der Mini hat es vor allem genossen, die Blumen zu vervollständigen, und hat die Mengen noch nicht wirklich mit den Zahlen in Verbindung gebracht.

Das hat sich zu Beginn des Jahres geändert. Der Mini hat ein großes Faible für Brettspiele entwickelt – und dazu gehört natürlich in vielen Fällen auch ein Würfel und das Abzählen von Kästchen, die man vorrücken darf. Der Mini war wie entfesselt und fing innerhalb von zwei Wochen an, auch mit seinen Fingern zu zählen – das muss er im Kindergarten kennengelernt haben, denn das habe ich ihm nicht gezeigt. Alles musste jetzt gezählt werden, Streifen auf dem Pullover, Bücher, Verkehrsschilder, Stifte – ihr könnt euch vorstellen, wie lange wir für Wege von A nach B brauchen, denn eigentlich kann man ja ALLES zählen. Das wusste schließlich schon Graf Zahl. 😉

Die Schönheit der Zahlen

Ich habe also das Thema „Mengen verdeutlichen“ noch einmal aufgegriffen und für den Mini selber ein bißchen Zählmaterial gebastelt und zusammen mit dem Material von der Wunderwerkstatt aus dem letzten Jahr noch einmal angeboten. Der kleine Graf Zahl war begeistert!

Was mich an Montessori-inspirierten Materialien ja immer wieder begeistert ist, dass die Schönheit des Materials so eine große Rolle spielt. Es soll Spaß machen, sich damit zu beschäftigen, es soll die Sinne anregen und Freude bereiten – das finde ich wundervoll. Für mich sind Mathematik und Zahlen von je her irgendwie grau, eintönig und mit dem Etikett „lästig, aber notwendig“ versehen. Durch die Materialien für den Mini bekommen Zahlen und Zählen jetzt nochmal eine ganz neue Faszination für mich.

Neue Zählkarten der Wunderwerkstatt

Manuela von der Wunderwerkstatt hat meine Instagramstories mit dem kleinen Graf Zahl gesehen und mit netterweise einen tollen Download mit Zählkarten zugeschickt – vielen Dank! Das Set ist noch viel umfassender als hier gezeigt und beinhaltet auch noch römische Zahlen und das geschriebene Zahlwort, aber ich habe für den Mini erst einmal diese vier Komponenten herausgepickt.

Er sortiert die Zahlen gerne einander zu und bringt sie in die richtige Reihenfolge. Bei insgesamt 40 Karten, die sortiert werden müssen, ist das eine Arbeit die eine ganze Weile viel Konzentration erfordert. Ich bin immer ganz erstaunt, wenn mein wilder Flummi sich dazu so lange ruhig an einen Tisch setzen möchte. 

Holzzahlen, Steine, Würfel und spannende Fragen

Um noch etwas Abwechslung in unsere Zahlenmaterialien zu bringen, habe ich noch Holzzahlen, Zählsteine, Würfel und Würfelkarten ergänzt – und das muntere Zählen beginnen lassen. Die Materialien liegen bei uns im Regal – an manchen Tagen sind sie völlig uninteressant, an manchen Tagen legt der Mini sie kaum aus der Hand. 

Das Zählen der Würfelpunkte klappt mittlerweile völlig ohne Probleme. Es hat bei uns übrigens am Anfang sehr geholfen, einen richtig großen Würfel zu benutzen, bei dem die Punkte beim Zählen angetippt werden können. Das macht das Zählen zu Beginn sehr viel einfacher, weil man nicht so leicht durcheinander kommt.

Ansonsten hat der Mini jetzt schon ganz viele Fragen zum Zählen. Zweistellige Zahlen sind spannend, aber auch noch ein bißchen irritierend. Fragen nach Addition und Subtraktion fallen noch wunderbar in meinen Wohlfühlbereich – die Frage, warum es denn aber elf und zwölf heisst und nicht Einszehn und Zweizehn habe ich allerdings immer noch nicht beantwortet. Die Erklärung beinhaltet die Wortherkunft aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen, was vielleicht für ein Kleinkind noch ein bißchen sperrig ist. (By the way: Wer hätte gedacht, dass sich das Mediävistik-Studium bei der Elternschaft dann doch nochmal auszahlt!)

Für euch aber ein kleiner Exkurs, falls ihr das auch mal gefragt werdet: Das heutige Wort elf stammt vom Althochdeutschen „einlif“ ab, das aus „ein“ (=eins) und „lif“ (= übrigbleiben) besteht. Im Mittelhochdeutschen wurde darauf „einlef“, später „eilf“ und schließlich elf. Die Wortentwicklung über Lautverschiebungen & Co. zu erklären würde hier zu weit führen (und ich müsste dafür noch einmal meine Studienbücher aus dem Keller kramen…) – interessant ist aber, dass die Zahl ursprünglich sehr wohl als Wort aus 10+1 zusammengesetzt wurde. Es gibt aber noch einen anderen, mathematischen Grund, warum wir für die Zahlen elf und zwölf eine besonderen Namen haben: es ist ein Hinweis darauf, dass im germanischen Sprachraum früher im Duodezimalsystem gezählt wurde – also ein Zählsystem auf der Basis von 12 statt auf der Basis von 10, wie im heutigen Dezimalsystem. Auch die häufige Verwendung von der Mengenangabe „Dutzend“ und einem „halben Dutzend“ im Sprachgebrauch weist darauf hin.

So, und wer sagt mir jetzt wie ich das dem fast Vierjährigen erkläre? Immer wieder unglaublich, wie man durch Kinderfragen selber noch einmal dazulernt und Wissen wiederauffrischt. 🙂

Liebe Grüße,
Tina

Links zu den Wunderwerkstatt-Materialien

Disclaimer/Werbung: die Materialien mit den Bäumen habe ich selbst gekauft, die Zählkarten mit Perlen & Co hat mir Manuela kostenfrei zugeschickt – vielen Dank!

Eigene Materialien zum Download

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