Wochenende in Bildern – 22./23. September 2018

Sonntag Abend, ich strampele auf dem Ergometer und höre das Staffel-Finale des Podcasts „Mit Kindern leben“ von Patricia Cammarata und Clemens Mierau und muss gleich zu Beginn lachen: bloggen sei eigentlich für viele eine Therapie. Erwischt! Das hier ist definitiv Gesprächstherapie für mich. Dieses Wochenende gleich dreimal. Aber von vorne…

Der Samstag beginnt total harmlos mit einigen gelesenen Seiten in meinem aktuellen Buch. Kleiner Spoiler: ich werde die Lektüre für eine Wiederholung von „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ unterbrechen. Passt besser, denn vom Wahnsinn sind wir dieses Wochenende nur ein winziges Stückchen weit entfernt.

Nach dem Frühstück geht es kurz in die Stadt und zu meinen Schwiegereltern. Als mein Mann vor diesem wunderschönen Blumenstand auf dem Markt stehen, sind unsere Nerven von den ersten Wutausbrüchen des heissgeliebten Wunschkindes schon etwas angekratzt. Lasst mich das familiäre Schlachtfeld kurz umreissen: Das Kind, gerade anderthalb Tage von einer schweren Halsentzündung mit 40,5 Grad Fieber genesen, möchte gerne bei 12 Grad und Regen in der Badehose barfuß in die Stadt gehen. Die voll gemeinen Kackawurst-Eltern fordern Schuhe und etwas wasserabweisendes. Die daraus entstehende Diskussion dürfte den Seismologischen Bereitschaftsdienst des Bundes etwas irritiert haben. Sorry, kein Erdbeben – nur der wütende Dreieinhalbjährige.

Wir greifen zum bisher immer wirkenden Allheilmittel und schleppen das tobende Kind in den Wald. Wie ihr seht trägt das Kind auf dem Bild Jacke, Hose UND Schuhe. Ich habe keine Ahnung wie wir das geschafft. Ist das ausreichend, um sich für das Bundesverdienstkreuz zu bewerben?

Wir streifen ein wenig durch den Wald und tummeln uns auf den schönen Spielplätzen des Waldkindergartens.

Wir sammeln Eicheln und Kastanien und geniessen Ruhe und Frieden. Kurz.

Wieder zurück und ein, zwei Wutausbrüche später geht es zum Geburtstag unseres Nachbarn. Dort angekommen sagt ein Kind, das unserem zum Verwechseln ähnlich sieht: „Hallooo! Alles Gute zum Geburtstag! Oh ja, ich möchte so gerne ein Stück Kuchen. Dankeschön, das ist sehr nett.“ Fassungslos beschreibt meinen Gemütszustand wohl am besten. Das wohlerzogenste Kind aller Zeiten isst am Tisch (!) ein (!) Stück Kuchen und geht danach ins Kinderzimmer spielen. Leise. Die Fassungslosigkeit weicht bodenloser Verwirrung. Wer hat das Kind vertauscht?! Die anderen anwesenden Eltern nicken wissend.

Gegen 18 Uhr ist das Wunschkind müde und möchte nach Hause. Klar, der nächtliche Wutausbruch gegen 3 Uhr mit der Forderung jetzt Brötchen holen zu wollen fordert nun seinen Tribut. Wir machen ein Couchpicknick, ein bißchen Seele-Streicheln für alle Beteiligten. Und ja, ihr seht richtig – er hat auf der Couch Schuhe an. Einmal ausdiskutiert, will er sie jetzt nicht mehr ausziehen. Ich habe ja gesagt, dass man sonst kalte und nasse Füße bekommt und krank werde. Ahhhhh….

Ich gehe wieder zurück zur Party als das Kind schläft, das Babyphone im Schlepptau und habe einen wirklich lustigen Abend. Grappa ist doch sehr lecker, stelle ich fest. (Nur ein wönziges Schlückchen, ich schwöre!)

Der Sonntag beginnt mit einem laaaaaangen Brötchenhol-Ausflug der beiden Jungs und – natürlich – einer wilden Diskussion um die dafür relevanten Kleidungsstücke. Ich rechne meinem Mann hoch an, dass er das alles alleine wuppt und ich ausschlafen darf und mich in aller Ruhe schminke. Andere meditieren, ich schwinge den Pinsel. Ich weiß nicht genau, woher er diese übermenschliche Geduld nimmt, aber er hat sie. Und das Kind hat Schuhe an – Halleluja!

Ich mache mich nach der Rückkehr ein bißchen nützlich und mache einen Obstteller und wir frühstücken.

Das Wunschkind bekommt nun sein beißersehntes Brötchen und verputzt das mit einem Riesenappetit. Den Obstteller auch.

Wir machen einen kurzen Abstecher zu meiner Mama und präsentieren die Waldschätze von gestern. Der Mini nimmt die Kastanien und Eicheln mit interessiertem Forscherblick auseinander und ist komplett beschäftig. Ruhig. Und konzentriert. Wir halten uns glaube ich demnächst nur noch außer Haus auf…

Später fahren wir mit meinem Schwager und seiner Freundin zur Lieblingseisdiele. Mein Schwager steht an unserer Tür und bekommt erst einmal eine Lektion über korrekte Kleidung im Herbst: „Weisst du, man muss eine Jacke anziehen, wenn es regnet. Sonst wird man nass. Und Schuhe auch…“, erklärt das Ich-würde-auch-in-Badehose-rausgehen-wenn-meine-Eltern-mich-ließen-Kind mit wissend-belehrendem Blick. Mein Mann schwankt zwischen lachen und weinen.

Ich kriege die superduper Waffel mit Eis und Zucker und einen Kaffee. Ist Medizin, finde ich. Das Treffen ist schön und wir können sogar einige Sätze beenden. So jeden vierten vielleicht. Großzügig geschätzt.

Der Rest des Tages ist eigentlich ein einziger Wutausbruch mit einigen kurzen Pausen. Wir haben uns pädagogisch heute sicher auch nicht mit Ruhm bekleckert, aber Himmel – meiner Nerven! Wenn in den nächsten Tagen um mich herum noch irgendjemand die Worte „Schuhe“, „Jacke“ oder „Socken“ benutzt, muss ich leider schreien…

Wie lange dauert diese Autonomiephase nochmal? Mit vier Jahren sind die Wunschkinder doch dann alle super vernünftig, verständnisvoll und gaaaaaanz gelassen. Oder? Oder?!? Ich habe jetzt zu Ende gestrampelt, eine Runde meinen Frust, meine Ratlosigkeit und mein Ich-habe-keine-Ahnung-was-ich-jetzt-machen-soll herausgesportelt und fühle mich besser. Wir kochen jetzt. Und schauen einen Film. Und morgen beginnt eine neue Woche – mit mehr Ruhe, mehr Gelassenheit und stärkeren Nerven. Und, wenn man das mal positiv sehen möchte: wenn das so weitergeht, bin ich richtig fit, wenn die Autonomiephase vorbei ist. Hallo Größe 36!

Falls ihr in den nächsten Tagen also einen Dreijährigen barfuss und im T-Shirt auf dem Laufrad durch den Regen flitzen seht – winkt doch mal der Irren, die hinter läuft – ich freue mich. 😉 Wie immer gibt es hier alle Wochenenden in Bildern bei Susanne – viel Spaß beim Stöbern!

Liebe und mittelprächtig geschaffte Grüße,
Eure Tina

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2 thoughts on “Wochenende in Bildern – 22./23. September 2018

  1. Es tut mir so leid, aber ich habe gerade herzlich gelacht. Wir kämpfen auch immer mal wieder mit unseren 3,5 jährigem Wutzwerg. Besonders ist schlimm immer in Kombination mit seinem großen Bruder. Halt durch, es wird auch wieder andere Zeiten geben (und andere Phasen).

  2. Ich musste herzlich lachen und ganz viel schmunzeln. Mit unserem dreijährigen hier ist es gerade sehr sehr ähnlich. Auch hier werden Jacke, Schuhe und Co. nach langen Erklärungen unsererseits angezogen und dann aber am liebsten auch nicht mehr ausgezogen… Auch den ewig über den Tag gehenden Wutausbruch kennen wir leider zu gut. Unser Allheilmittel ist übrigens auch raus in die Natur bzw. auf den Spielplatz. Das hilft (fast) immer.
    Vielen Dank für diesen ehrlichen Post, da fühlt man sich gleich verstanden.

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