Meins, Deins, Unseres – über Kinder & das Teilen

Sarahs Blogparade war der lange benötigte „Schubs“, um einmal über dieses Thema zu schreiben. Das Teilen. Früher oder später wird sich wohl jedes Elternteil einmal damit beschäftigen müssen – vorausgesetzt man hat mehr als ein Kind, oder pflegt soziale Kontakte und trifft irgendwann einmal auf andere Kinder. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann möchte doch jeder ein Kind, das über eine hervorragende Sozialkompetenz verfügt und alles gerne teilt. Dass das nicht der Realität entspricht und Kleinkinder unter einem gewissen Alter das einfach auch noch nicht können können, kann man inzwischen in vielen hervorragenden Texten dazu nachlesen – hier zum Beispiel beim gewünschtesten Wunschkind oder hier bei Elternmorphose.

Bleibt aber immer noch mein Wunsch, das mein Sohn seine Spielsachen teilt, wenn wir Spielbesuch bekommen. Da der Mini Einzelkind ist, hat das Teilen für uns vielleicht auch eine besondere Bedeutung. Denn gerade dadurch, dass er im Alltag zu Hause keinen Bruder oder keine Schwester hat, mit dem oder der er dieses Thema ausmachen muss, finde ich es um so wichtiger, wie wir die Situationen lösen, wenn Besuch da ist. Einen ganz wesentlichen Beitrag zum Teilen leistet übrigens der Kindergarten. Da das Spielzeug dort quasi allen und keinem gehört, wird die Organisation des Miteinander-Spielens dort von den Kindern praktisch auf „neutralem Terrain“ geübt – das finde ich super und es hat einen sehr positiven Effekt.

Ich bin ganz ehrlich: ich halte nichts davon, darum zu bitten dass der Besuch seine eigenen Spielsachen mitbringt. Dann ist das Interesse daran nämlich groß – und die Situation wieder die gleiche. Irgendwie muss man durch die Phase des „Nicht-Teilen-könnens“ also gemeinsam durch. Es gab dabei ein paar Dinge, die uns geholfen haben.

Konkret werden: Teilen ist abstrakt

Was in der Kommunikation mit hervorragend sprechenden Kleinkindern oft vergessen wird – zumindest von mir! – ist, dass sie vielleicht über einen wunderbaren Wortschaft verfügen und sich prima ausdrücke können, das aber darüber hinwegtäuscht, dass sie noch nicht zur Abstraktion fähig sind. Abstrakte Begriffe werden vielleicht übernommen und verwendet, aber werden sie auch wirklich verstanden? Ich glaube nicht. Das Wort „teilen“ gehört für mich dazu. Wir verbinden in Bezug auf Kinder damit etwas bestimmtes – nämlich ein Spielzeug für einen bestimmten Zeitraum an jemand anderen abzugeben.

Und genau so sollten wir das auch sagen, wenn wir über das Teilen sprechen. Bei uns hat es übrigens sehr gut geholfen, nicht vom Teilen, sondern vom „Abwechseln“ zu sprechen. Irgendwie war das für den Mini sehr viel verständlicher, wenn wir erklärt haben, dass jetzt erst er mit dem Bobbycar eine Runde fährt, dann das Besuchskind, dann wieder er und so weiter. Diesen Zeithorizont kann der Mini prima überblicken – und entsprechend ist auch das Abwechseln meistens kein großes Thema.

Es gilt also wieder zuerst, sich einmal an die eigene Nase zu fassen und den eigenen Sprachgebrauch und die Wortwahl zu überprüfen. Bin ich konkret genug? Habe ich genau beschrieben, was ich mir vorstelle?

Lieblingsspielzeuge müssen nicht geteilt werden

Dieser Punkt war für uns immer völlig klar. So wie ich nicht mein Handy, meinen Computer, meinen Lieblingslippenstift oder ähnliches verleihen möchte, erwarte ich auch nicht von meinem Sohn, dass er sein Lieblingskuscheltier, die lange sehr heißgeliebte FisherPrice-Orgel (fragt nicht, ich bin so froh, dass diese Phase vorbei ist…) oder aktuell sein Fahrrad teilt. Es ist in Ordnung, dazu nein zu sagen – und das tue ich mit einigen erklärenden Worten auch für ihn, wenn wir Besuch haben.

Bei den ganz großen Lieblingsdingen habe ich teilweise auch vorab mit ihm besprochen, dass wir sie zur Seite legen – zum Beispiel, wenn viel Besuch anstand. Dann wusste er genau, dass das Kuscheltier sicher in seinem Bett liegt und konnte ganz stressfrei spielen. Dafür habe ich viel Verständnis. Was bei uns nicht geht, ist dass ein Besuchskind mit gar keinem Spielzeug des Minis spielen darf. Das finde ich dem anderen Kind gegenüber mehr als unfair – und würde mich selbst in so einer Besuchssituation auch überhaupt nicht wohlfühlen. Wenn die Situation so eskaliert, muss eine andere Lösung her.

Spielzeugfreies Spielen – zum Beispiel im Wald

Es gab eine kurze Phase, in der Spielbesuch bei uns wirklich sehr anstrengend war und oft wie oben beschrieben endete. Ich finde das sehr unschön – und möchte ehrlich gesagt an einem Besuchsnachmittag auch nicht ständig Streit schlichten und mich immer wieder einmischen müssen. Da hilft dann nur eins: den Kern des Streits aus der Gleichung nehmen – das Spielzeug!

Man kann auch ohne Spielzeug eine ganz wunderbare Zeit miteinander verbringen. Im Wald zum Beispiel! Da gehört nämlich das vorhandene Spielzeug – Äste, Blätter, Steine, Kastanien – auch allen und keinem. Und es ist meistens so spannend, dass die Meins/Deins-Diskussion ganz schnell wieder vergessen ist. Eigentlich ist das ein ganz genereller Rat: wenn es drinnen nichtmehr weitergeht, man sich im Kreis dreht und merkt, dass die eigene Laune sich in Richtung Gefrierpunkt bewegt: rausgehen! Das hat bei uns bisher wirklich fast immer geholfen. Man kann auch prima ohne Sandspielzeug auf den Spielplatz gehen und klettern, rutschen und wild herumtoben. So findet die Kleinkind-eigene Energie auch gleich ein anderes Ventil als das Verteidigen von Eigentum.

Auf das Positive konzentrieren – und es in Worte fassen

Ich neige oft dazu, nur das zu sehen, was nicht funktioniert. Gerade mit Kleinkindern finde ich es aber sehr wichtig, daran zu arbeiten, auch die Situationen bewusst wahrzunehmen und in Worte zu fassen, die gut laufen. Ich schreibe ganz bewusst nicht „loben“, denn ich finde, dass man sich ein echtes, überschwängliches Lob für wirklich besondere Situationen aufheben sollte. Ich stelle also einfach fest, wenn gerade zusammen mit einem Spielzeug gespielt wird, gemeinsam ein Lego-Haus aufgebaut wird oder man abwechselnd Wettrennen mit dem Bobbycar fährt.

Ich hoffe, dass die dabei benutzten Worte wie „gemeinsam“, „abwechselnd“, „zusammen“ so positiv aufgeladen und mit schönen Spielsituationen verbunden werden – anstatt im Zusammenhang mit einer Forderung („Spielt ihr bitte zusammen und hört auf zu streiten?“) immer nur negativ wahrgenommen und mit Verlust verbunden zu werden.

Ich habe diesen Text für die Blogparade von Sarah geschrieben, die hier hier verlinkt findet. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, noch einmal durch die anderen Beiträge zu stöbern?

Liebe und ganz ungeteilte Grüße,
Eure Tina

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2 thoughts on “Meins, Deins, Unseres – über Kinder & das Teilen

  1. Liebe Tina,
    wie schön, dass du mitgemacht hast! 🙂
    Vor allem mag ich es, deinen Standpunkt als Einzelkindmama zu lesen.
    Früher, als ich nur ein Kind hatte, hielt ich es mit vielen Erziehungsdingen anders, zum Glück änderte sich das.
    Deinen Weg finde ich toll. Vor allem der Wald als Spielplatz. so einfach und doch so gut. Wenn etwas erstmal im Kopf verankert ist (Playdates nur in der Wohnung!) ist es gar nicht so leicht, sich davon zu lösen.
    Danke dir dafür. 🙂
    Liebe Grüße
    Sarah

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