Geduld, Geduld: Über eine Mama-Kernkompetenz, die mir schwerfällt

Als ich mit dem Mini schwanger war, habe ich mir über viele Dinge Gedanken gemacht. Ich habe mich gefragt wie es wohl so ist, ein Kind zu haben, Mutter zu sein, eine Familie zu sein. Ich habe überlegt, wie ich wohl als Mutter sein werde und was mir dabei wichtig ist. Und ich habe gegrübelt, was es so zum Muttersein „braucht“ und ob ich das wohl alles mitbringe.

Eine Freundin von mit hat mir damals gesagt, dass der Verlust der Selbstbestimmung für sie die größte Überraschung war, als ihr Sohn zur Welt kam. Mein großer Überraschungsmoment beim Mutter werden war eine Erkenntnis über mich selbst: wie unfassbar ungeduldig ich bin.

Ungeduld – die „schönste“ Schwäche im Bewerbungsgespräch

Ja, ich weiß – alle Bewebungsratgeber empfehlen bei er Frage nach den eigenen Schwächen mit „Ungeduld“ zu antworten. Das wirke dynamisch, nach „Macher“ und sei eigentlich überhaupt gar keine Schwäche. Mal ganz abgesehen davon, dass ich das auch in Bezug auf den Beruf nicht unterschreiben würde, sieht es in Bezug auf das Mamasein ganz anders aus. Geduld ist die oberste Direktive des Mutterseins, und die solide, tiefenentspannte Basis, auf der der Alltag mit Kind steht. Oder so ähnlich.

Ich möchte gern Dinge sofort. Tun, erledigen, angehen, planen, umsetzen. Auf jeden Fall: los, los, los, los, los. Und genau das geht mit einem – kleinen – Kind ganz schlecht. Während der Babyzeit ist eigentlich immer irgendwas: Hunger, Windel voll oder müde – und schlafen aber bitte nur auf einem Arm. Meine Produktivität außerhalb der Erfüllung dieser drei Bedürfnisse pendelte sich irgendwie bei Null ein. Das ist völlig normal und muss so – das weiß ich und wusste ich auch damals schon. Und trotzdem hat es mich wahnsinnig gemacht, wenn ich um 11 Uhr morgens festgestellt habe, dass ich es immer noch nicht geschafft hatte, den Schlafanzug gegen etwas Tagestaugliches auszutauschen.

Mama-Produktivität: Stillen, Wickeln, Tragen?

Ich hatte Hummeln im Hintern. Ich wollte raus, ich wollte etwas machen, etwas erledigen, Dinge tun, die sichtbar sind. Das ging aber nicht, denn immer wenn ich dazu ansetzte: hatte das Kind Hunger – oder wurde müde und wollte schlafen. In dieser Zeit habe ich kein Baby-Ausstattungsteil mehr geschätzt als die Trage. Denn nur damit konnte ich auch meinem Bedürfnis nachgeben, irgendwie produktiv zu sein. Meine Ungeduld war damit zumindest ein bißchen befriedigt, moserte aber immer noch leise in der Ecke vor sich hin.

Der Mini wurde größer. Eine Entwicklung, die man einerseits feiert, weil größer vermeintlich mehr Freiheit und Flexibilität bedeutet – und andererseits sentimental beweint, weil das kleine Baby gar nicht mehr so klein ist und immer mehr kann.

In unserem Fall bedeutete der größere Mini nicht unbedingt mehr Flexibilität – denn der kleine Kerl hatte andere Pläne. Ich hatte mich mit dem Kind in der Trage inzwischen gut eingerichtet und meinen Rhythmus gefunden – da hatte das Kind die Nase voll von Tragen und Kinderwagen fahren und wollte lieber selber die Welt erkunden. Im Schneckentempo natürlich, wie auch sonst. Was vorher ganz eingespielt fluppte, war auf einmal wieder „auf Start“ zurückgesetzt – und meine Ungeduld kam wieder laut motzend aus ihrer Ecke hervor.

Sag‘ niemals: es läuft gerade echt gut

Ich hatte eines der in Stein gemeißelten Elterngesetze kennengelernt: immer wenn man denkt „oh, jetzt haben wir uns aber gut eingespielt“, dann ändert sich wieder einmal alles. In der ersten Zeit mit Kind ist nichts konstant und alles einem ständigen Wechsel unterworfen. Planen ist generell schwierig – was heute prima funktioniert (und gestern und vorgestern und vorvorgestern…), kann morgen schon ins Chaos führen. Leider entspricht das so überhaupt gar nicht meinem Typ. Ich mag Listen, Ablaufpläne und bin sehr gerne strukturiert.

Ich bin das übrigens nicht, weil ich das Gefühl habe, ich MUSS das sein. Oder ein gesellschaftlicher Zwang oder die Medien oder Prinzessin Kate mir das einflüstert. Ich bin einfach so. Nun weiß jeder, der ein kleines Kind hat, dass Listen, Ablaufpläne und Struktur selbiges allenfalls müde lächeln lassen – das Leben verläuft in dieser Zeit einfach nach einem anderen Takt. Dem Kleinkind-Takt.

Und das bedeutet für mich: Warten. Geduld haben. Freiräume geben. Selber machen lassen. Sich zurücknehmen, Pläne umwerfen – und die Situation einfach so annehmen wie sie ist.

Warum ich als Working Mum geduldiger bin

Erstaunlicherweise kann ich das sehr viel besser, seit ich wieder arbeite und der Mini in den Kindergarten geht. So kann ich nämlich vormittags produktiv sein, meiner Ungeduld die Bühne überlassen und dann meinen Sohn mit dem Gefühl aus dem Kindergarten abholen, schon etwas geschafft zu haben. Im Optimalfall sitze ich dann später entspannt am im Sandkasten und backe den 128. Sandkuchen.

Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich „eigentlich noch xy müsste“, das geht mit dem selbstständig sein irgendwie einher. Ich sehe durchaus auch den Stress, denn das mit sich bringt, das sich-aufteilen, nie fertig sein und wie unglaublich schnell die Zeit rennt. Wie wenige Stunden der Tag hat und wie viele man eigentlich bräuchte. Aber trotzdem bin ich nachmittags entspannter, weil ich eben vorher schon etwas geschafft habe, das sichtbar ist und irgendwie „anfassbar“. So gibt meine Ungeduld nachmittags im Moment meistens Ruhe. Vormittags darf sie sich austoben.

Ist das jetzt diese innere Mitte, von der immer alle sprechen? Wie ist das bei euch? Fällt euch Geduld leicht? Was war eure größte Überraschung, als ihr Mutter geworden seid?

Liebe Grüße,
Eure Tina

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