Drei Jahre zu dritt: vom Vater werden und Vater sein

Ihr lest es vermutlich schon aus der Überschrift – dieser Text hier ist nicht von mir. Ich habe ja schon letztes Jahr darüber geschrieben, welche Gedanken mir so zum zweiten Geburtstag des Mini durch den Kopf gingen. Und dieses Jahr fand ich, dass es mal an der Zeit ist, das mein Mann das mal aus seiner Sicht aufschreibt – und konnte ihn überreden! 

Mein Sohn wird in einigen Tagen drei Jahre alt sein. Eine ganz gute Zeit, um darüber nachzudenken was das mit mir als Vater gemacht hat und wie ich mich verändert habe.

Um ehrlich zu sein, hatte ich zu Beginn einige ganz passabel naive Vorstellungen darüber, wie es wohl sein würde,  Vater zu sein – zum Beispiel, das kleine Kinder unter, sagen wir, unter drei Jahren automatisch den Willen ihrer Eltern übernehmen, glückliche Kinder eigentlich niemals weinen müssten, und das man selbst dann noch Kräftereserven hat, wenn man sieben Nächte in Folge durchwacht hat.

Guess what: das stimmte alles nicht. 🙂

Unser Sohn ist in den ersten beiden Lebensjahren ein eher schlechter Schläfer gewesen, das bedeutet, er ist häufig mehrmals in der Nacht wachgeworden und konnte manchmal gut, manchmal weniger gut wieder einschlafen. Gerade, wenn das mehrere Nächte in Folge passiert und die Elternzeit längst vorbei ist – also am nächsten Morgen berufliche Verpflichtungen warten – geht das im wahrsten Sinne des Wortes „an die Substanz“. Falls ihr jetzt fragt, was wir effektiv dagegen tun konnten, ist die ehrliche Antwort natürlich: gar nichts. Natürlich haben wir jede Menge Dinge probiert, aber es ist dann zu unserer Erleichterung plötzlich von alleine besser geworden.

Außerdem sind Krankheitszeiten natürlich Ausnahmezeiten, die bei uns glücklicherweise in den ersten drei Jahren vergleichsweise selten auftraten. Aber spätestens im ersten Kindergartenjahr erwischt es einen dann doch: das erste Mal Magen-Darm, und auch daran kann man – so schwierig ich das als Vater empfinde – ganz wenig ändern. Außer natürlich Symptome zu lindern, viel kuscheln und gemeinsam abzuwarten, dass es besser wird.

Für mich war das eine der schwierigsten Lektionen als Erstlingsvater – das bestimmte, alltägliche Ereignisse im Kern nicht zu verändern sind. Mir ist es wichtig, dass ihr das nicht missversteht: ich bin sehr der Ansicht, dass es wesentlicher Teil des Vaterseins ist, sich jeden Tag zu bemühen, ein noch besserer Vater zu sein. Aber wichtig ist es auch, zu verstehen was man beeinflussen kann – und darauf Zeit und Mühe zu investieren – und was eben nicht.

Trotzdem wünsche ich mir meinem Sohn Dinge zu „ersparen“ oder für ihn vermeiden zu können – aber das klappt leider einfach nicht. Und weil wir so sehr auf „Ursache-Wirkung“ und ein kausales Verhältnis zur Umwelt gepolt sind, bin ich mir in den ersten Vatermonaten des öfteren ziemlich hilflos vorgekommen. Damit konnte ich zu Beginn sehr schlecht und auch heute noch ziemlich schlecht umgehen. 🙂

Aber ich habe auch natürlich nicht erahnen können, welche Glückschübe es auslösen würde, meinen Sohn im Kreisssaal zum ersten Mal im Arm zu halten, welche Gänsehaut über den Rücken jagte, als er zum ersten Mal „Papa“ sagte, das erste Lächeln nach vielen Zahnungstränen, die Diskussionen um‘s Schlafengehen und welche Geschichte es sein muss – die Aufzählung könnte noch lange so weitergehen. Da sind ganz viele, alltägliche Glücksmomente, und in meiner Wahrnehmung werden sie immer mehr, je größer, selbstbestimmter und „erwachsener“ mein Sohn wird.

Mit jedem Schritt des Älterwerdens denke ich oft, auch als Vater „mitwachsen“ zu müssen, um den jeweiligen Bedürfnissen Rechnung tragen zu können. In manchen Dingen weiß man recht intuitiv, was zu tun und wie sich zu verhalten ist, aber sich selbst Fehler schnell einzugestehen, an eigenen Schwächen zu arbeiten, und auch zu merken, welche erzieherische Reaktion gut und welche nicht so gut ist – in den ersten Vaterjahren habe ich auch vieles über mich selbst gelernt.

Was hat sich also jetzt für mich geändert durch das „Vater sein“? Elisabeth Stone hat einmal geschrieben: „Die Entscheidung, ein Kind zu haben, ist von großer Tragweite. Denn man beschließt für alle Zeit, dass das eigene Herz außerhalb des eigenen Körpers herumläuft.“. Das trifft es aus meiner Sicht sehr gut:  Das tägliche Leben, die Alltagsorganisation verändert sich stark, noch viel mehr aber in meiner Wahrnehmung das „Innenleben“ – die Gefühlsausschläge nach oben und unten werden stärker, die Haut wird irgendwie dünner, die Nächte werden kürzer und die Tage länger, vor allem aber – so empfinde ich das – weitet sich der Blick und die Zeit wird dichter.

Ich bin sehr froh, dass jetzt hier auf dem Blog mein Mann auch mal zu Wort kommt und freue mich riesig, dass ich ihn überreden konnte diesen Text zu schreiben. Ich wusste übrigens schon als ich ihn kennenlernte, dass er mal ein ganz wundervoller Vater sein würde. Ansonsten geht es hier ja häufig um mich und den Mini – und das verfälscht unser Familienleben irgendwie ein bißchen. Also, ich hoffe ihr habt auch über den „Gastbeitrag“ aus Vatersicht und ein bißchen Autorenabwechslung gefreut. Wir schmeissen uns dann mal in die Planungen für die große Sause zum dritten Geburtstag.

Alles Liebe,
Familie Kind Küche Chaos 😉

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