Die eierlegende Wollmilchsau – über Kinder und Ordnung

Kinder und Ordnung, das ist a) ein heisses Eisen und b) ein Thema, das ja offensichtlich nicht zusammenpasst. Überall, wo Kinder sind, kann keine Ordnung sein. Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich hier darüber schreiben soll und mich jetzt doch dafür entschieden – eben weil bei uns in diesem Punkt die Bedürfnisse genauso aufeinanderprallen wie vermutlich in vielen Familien.

Darf ich vorstellen: ich, der kleine Monk

Ja, ich bin ein Monk. Ich habe es einfach gerne ordentlich. Unordnung in meinem Zuhause macht mich unruhig und lässt mich nicht klar denken. Wenn man verschiedenen Facebook-Mamagruppen glaubt, ist das ein Charakterfehler und ich muss mich nur mal locker machen. Aber ich mag nunmal einfach kein Chaos und fühle mich dann zu Hause nicht wohl.

Ein gewisser Grad an Chaos lässt sich mit Kindern einfach nicht vermeiden, das gebe ich gerne zu – unter anderem deshalb heisst mein Blog so wie er heisst. Wobei ich dabei eher an das organisatorische Chaos als an das Ordnungs-Chaos gedacht habe…

Also: ich bin ein kleiner Monk, den manchmal schon Krümel auf dem Tisch wahnsinnig machen, mein Mann ist auch ein Freund von Ordnung, und dann haben wir da noch ein ganz normales, wildes und fröhliches Kleinkind. Dass das in Sachen Ordnung nicht immer gut passt, ist glaube ich jedem klar.

Abends hui, tagsüber… naja. Normal halt. Unser normal.

Unsere Lösung fürs Wohnzimmer: tagsüber darf der Mini spielen und das Chaos folgt ihm auf dem Fuß. Aber abends wird aufgeräumt. Im Moment in erster Linie noch von mir – aber so langsam fängt der Mini an dabei auch mitzuhelfen. Wenn ich abends Feierabend habe, möchte ich mich entspannen, und das kann ich einfach nicht, wenn um mich herum die traurigen Überreste eines Lego-Playmobil-Puzzle-Bauklotz-Tornados herumliegen. Und mich stört es auch, wenn ich als erste Amtshandlung meines Feierabends erst einmal aufräumen muss – also kommt alles wieder an seinen Platz, bevor der Mini ins Bett geht.

Und er kann mitmachen – oder eben auch nicht. Oder nur kurz. Wie er eben möchte. Ich finde es aber wichtig, dass das abendliche Aufräumen einfach mit dazugehört, ganz unabhängig davon wie sehr er sich nun daran beteiligt. Vorbild, und so. 😉

Fürs Kinderzimmer gelten andere Regeln. Da bleibt es auch einfach mal so wie es eben aussieht. Wenn man wirklich nicht mehr treten kann, und der Mini wie ein Storch von einer Wand zur anderen waten muss, schlage ich auch hier vor, aufzuräumen: Ich räume auf, der Mini macht mit, so wie er mag. Dass ein fast Dreijähriger dabei nach ein paar weggeräumten Dingen verträumt anfängt, mit etwas zu spielen, finde ich absolut altersgerecht.

Kinder und Ordnung

Ganz grundsätzlich glaube ich, dass es Kindern einfacher gemacht wird, das Prinzip Ordnung zu verstehen, wenn die Menge an Spielzeug überschaubar ist und alles einen festen Platz hat. Bei uns gibt es für Lego, Playmobil und Bauklötze jeweils eine eigene Kiste oder Tonne und der Mini achtet penibel darauf, dass auch nichts falsches darin landet.

Da ist er wiederum ausgesprochen monkig.

Bei anderen Dingen achte ich darauf, dass erst gar kein großes Chaos entstehen kann. So bewahre ich die Puzzle & Puzzleteile auf eine etwas eigenwillige Weise auf – aber hey, für uns funktioniert es. Mein Sohn puzzelt ausgesprochen gerne, entsprechend viele Puzzle haben wir. Und mit steigender Anzahl der Teile, wachsen auch die Möglichkeiten eines großen Puzzle-Chaos. Da wir uns von Montessori inspirieren lassen, möchte ich die Puzzle außerdem nicht „fertig“ verstauen, sondern „unfertig“ – nur so entstehe die Motivation, das Puzzeln anzugehen, als wenn man zunächst das fertige Bild kaputt machen muss.

Nachdem ich also ich-weiß-nicht-wie-oft die Teile von gefühlt 128 Puzzeln auseinandersortiert hatte, haben ich mir folgende Lösung überlegt: jeweils alle Teile eines Puzzles landen in einem Zip-Beutel. Früher habe ich diesen mit einer großen Wäscheklammer am Puzzle-Rahmen befestigt, heute ist das nicht mehr nötig, der Mini findet den passenden Beutel problemlos alleine. Sieht nicht fancy aus, ich weiß – aber es funktioniert.

Einen besonders schönen Artikel zum Thema Kinder und Ordnung habe ich übrigens hier auf meinem Lieblingsblog „Das gewünschteste Wunschkind“ gefunden, in dem es einige wirklich gute und einfach auch realistische Ordnungstipps auch für kleinere Kinder gibt.

Ordnung spielt auch bei Montessori eine große Rolle – allerdings in einem etwas anderen Verständnis. Warum die innere und äußere Ordnung bei Montessori wenigen mit fleißigem Auf- und Wegräumen zu tun hat, hat Sabrina auf ihrem Blog Wunschkind – Herzkind – Nervkind erklärt, gespickt mit wunderschönen Zitaten von Maria Montessori. Sehr lesenswert!

Was ich nicht mag: Schubladen. Und Vorurteile.

Bisher habe ich immer nur von uns, und von meinem Bedürfnis nach Ordnung gesprochen. Und davon, wie wir uns wohlfühlen und die Bedürfnisse von drei Menschen unter einen Hut bringen. Leider hat das Thema Ordnung aber auch noch eine Komponente „von außen“. Wie nehmen andere unsere Ordnung wahr?

Für mich ist es so, dass Ordnung mir heute wichtig ist. Das war definitiv nicht immer so, fragt mal meine Eltern. 😉 Ich brauche äußere Ordnung in meinem Zuhause für meine innere Ordnung. Wenn das jemand nicht braucht – fein! Ich würde nicht im Traum auf die Idee kommen, über die Ordnung oder Unordnung einer anderen Familie zu urteilen. Nur weil ich ein kleiner Monk bin, heißt das aber nicht, dass meine Prioritäten falsch sind. Oder ich mich zu wenig um mein Kind kümmere, nur um es ordentlich zu haben.

Aber genau das lese ich oft in Texten zwischen den Zeilen heraus: Es kann gar nicht ordentlich sein, wenn man mit Kindern lebt. Wer hat schon ein weißes Sofa, wenn er Kinder hat? Deko?! Ich bitte euch, das geht doch nicht. Unordnung ist ein Muss, alle anderen sind Fake oder räumen für Fotos oder schlimmer noch, für Besuch extra auf. Das wollen die gar nicht selber, die stressen sich nur wegen des perfekten Images nach außen.

Mich ärgert das.

Ordnung ist nur Ordnung. Manchen ist sie wichtig, manchen weniger. Es ist keine eigene Bewertungskategorie für Supermütter. Niemand kommt für ein Wohnzimmer, in dem man vom Fußboden essen kann in den Supermom-Recall. Bei einem Zuhause geht es ausschließlich ums Wohlfühlen – und: Überraschung, das bedeutet vermutlich für jede Familie etwas anderes.

Liebe Grüße,
Eure Tina

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One thought on “Die eierlegende Wollmilchsau – über Kinder und Ordnung

  1. Liebe Tina,

    ein sehr schöner Beitrag! Ich ticke ähnlich und denke, es hat meine Kinder über die Jahre dazu gebracht, auch aus eigenem Antrieb ein zu großes Chaos, das sie daran hindert, spielen zu können, aufzuräumen. Ich bin etwas entspannter, als ich es vor 2-3 Jahren war, was den Putz-Perfektionismus angeht, denn das machte mich irgendwann fertig. Deswegen ist es aber nie wirklich dreckig bei uns 😉 also: ich fühle mit Dir und mag diese Bewertung von außen nicht. Jeder eben nach seiner Façon! Liebe Grüße,
    Sarah

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