Über Erwartungen und Flexibilität – oder: was man als Mutter so braucht

Es gibt ja unendlich viele Posts über Dinge, die man als Mutter unbedingt braucht. Fürs Baby, fürs Kleinkind – und überhaupt jede Altersklasse. Von manchen habe ich mich sicherlich auch schon einmal zum Kauf des ein- oder anderen Produktes verleiten lassen. Das gebe ich gerne zu. Manchmal waren das sehr nützliche Tipps, manchmal… nun ja, eher nicht so.

Dass die wirklich wichtigen „Dinge“, die man als Mama braucht, eben keine Dinge sind, die man kaufen kann, ist mir vorletzte Woche erst wieder bewusst geworden.

Wobei die Vorstellung schon schön ist – dann würde ich jetzt 34 Meter Nervenstränge (extra robust), fünf Eimer Geduld und zwei Säcke Entspannung in meinen Amazon Warenkorb legen und mir das ganze mit Prime bequem morgen vor die Haustür liefern lassen. Läuft so aber leider nicht.

Aber ich fange besser mal von vorne an. Kürzlich war ich Montags nachmittags mit dem Mini einkaufen – so wie immer – und trotzdem war alles anders. Wir waren beide schlecht gelaunt, das Wetter war mies und ich hatte die wage Hoffnung, meinen Sohn mit dem sonst so beliebten Einkaufen ein bißchen bespaßen zu können. Eigentlich brauchten wir gar nicht viel, aber er macht es halt so gerne. Dachte ich zumindest.

Das Deo-Gate

Denn das Einkaufen artete in ein einziges Chaos aus, und am Ende saßen ein großer und ein kleiner Mensch ziemlich fertig wieder im Auto. Und ich abends heulend auf der Couch. Nachdem ich das alles bei meinem Mann abgeladen und mich noch in einer Insta-Story ausgeheult hatte, ging es dann aber wieder, aber das Thema hat mich trotzdem beschäftigt. Warum ist das so schief gelaufen? Falls sich jetzt jemand fragt, was genau schief gelaufen ist, hier eine kurze Zusammenfassung in fünf Schlagworten: Mini, kleiner Einkaufswagen, drehen, Fliehkräfte, Deo-Regal. Ihr habt ein Bild vor Augen? Prima.

Das Deo-Einräumtheater mit den dazugehörigen Kommentaren ist also noch eine ganze Weile in meinem Kopf gekreist. Zum einen habe ich sicherlich auf den ausflippenden Mini nicht richtig reagiert und hätte da einiges besser machen können – zum anderen habe ich mich aber gefragt, wie es eigentlich überhaupt dazu kommen konnte. Es gab keinen Zeitdruck, es gab keinen dringenden Termin, nichts hat uns gezwungen oder gehetzt.

Außer unseren Erwartungen.

Erwartungen sind ein gemeines A… Und Annahmen auch.

Meine Erwartung war, dass mein Sohn sich übers Einkaufen freut wie sonst auch. Ich habe ihn aber nicht gefragt. Meine Erwartung war auch, dass er sich dabei so verhält wie sonst auch. Das alles habe ich angenommen, weil es schon oft so war. Was ich aber vergessen hatte: der Mini bleibt seit einigen Wochen länger im Kindergarten als vorher. Der Papa war an den Tagen vorher auf einer längeren Geschäftsreise, und wurde ziemlich vermisst. Besagter Montag war erst der zweite Tag an dem er wieder zu Hause war – und im Home Office arbeitete. Die Stimmung war zu Hause schon ein bißchen in Schieflage.

Das Kleinkind war also insgesamt schlecht drauf, müde vom längeren Kindergarten-Tag und wollte eigentlich nicht vom im Home Office arbeitenden Papa weg. Tja, ich würde sagen, das war eine verdammt schlechte Ausgangslage für einen lustigen und entspannten Trip in den Drogeriemarkt. Und da ist meine schlechte Stimmung an diesem Montag ja noch gar nicht mit eingerechnet.

Worauf ich damit hinaus möchte? Ich glaube, dass einem manchmal Erwartungen und Annahmen einen gehörigen Streich spielen. Sie gaukeln einem vor, dass es eine Sicherheit gibt, dass bestimmte Dinge immer auf eine bestimmte Art und Weise laufen. (Jeder der ein Kind hat weiß, dass das ohnehin eine ziemlich verrückte Idee ist.) Sie bringen einen aber auch dazu, eben nicht mehr genau hinzusehen, nachzufragen und alle besonderen Ereignisse zu berücksichtigen.

Bitte einmal zwei Kilo Flexibilität

Und da sind wir dann also auch schon bei der einen Sache, die man als Elternteil von Anfang an, immer wieder und in riesigen Mengen braucht: Flexibilität. Die Fähigkeit Pläne über Bord zu schmeissen, umzustellen oder neue zu machen – eben weil der alte Plan jetzt aus irgendwelchen Gründen nicht mehr klappt.

Kein Durchziehen, keine Konsequenz, kein Durchhaltevermögen – stattdessen feine Antennen, um zu merken, wenn ein Plan gerade dabei ist gegen die Wand zu fahren. Und schnell einen neuen zu machen. Ich gebe ehrlich zu – ich bin ein Mensch, der ausgesprochen gerne Pläne macht. Pläne geben mir Sicherheit, Überblick und das gute Gefühl von Ordnung und Struktur. Das ist auch gut so – aber man sollte sich nicht an diesen Plänen festklammern.

Ansonsten sitzt man nämlich an einem regnerischen Montag nachmittag gegen 16.45 Uhr in einem Drogeriemarkt auf dem Boden und sortiert Deos wieder ins Regal ein.

Alles Liebe,
Eure Tina
MerkenMerken
MerkenMerken
MerkenMerken
MerkenMerken
MerkenMerken

.entry-meta-wrapper {display:none}

2 thoughts on “Über Erwartungen und Flexibilität – oder: was man als Mutter so braucht

  1. Liebe Tina,
    Das kenne ich! Meine Tochter ist 1 1/2 und großer Mini-Einkaufswagenschieber. Aber auch nicht immer 🙂 Und warum sind die Deos in Glasflaschen auch ganz unten in den Regalen?! Nach deinem Artikel habe ich gerade beschlossen die Kleine heute in die Trage zu packen für die Drogerie und lieber später auf den Spielplatz zu gehen. Schönen Freitag noch,
    Viele Grüße
    Laura

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich stimme zu. (Die DS-GVO Checkbox ist ein Pflichtfeld.)