Das Mysterium des verlorenen Schuhs – oder: der Riss im Raum-Zeit-Kontinuum im Wohnzimmer

Dass in einem Haushalt manchmal Dinge verschwinden, ist ja nicht so ungewöhnlich. Man sucht ja eigentlich ständig irgendetwas, völlig egal wie ordentlich man eigentlich ist. Die Hausschlüssel, den Reisepass, den Impfausweis oder die zweite Socke finden irgendwie immer ihren Weg in eine andere Dimension und tauchen dann irgendwann doch wieder auf.

Kinder verlieren einfach effizienter

Mit Kindern ist es aber so, dass das Ganze noch einmal eine völlig neue Komplexität erreicht. Und zwar sowohl was das Verschwinden, als auch das Wiederfinden angeht. Fangen wir mit dem Wiederfinden an: als Eltern gehört es schon zur Routine, die vermisste Eieruhr standardgemäß im Tiefkühlfach zu suchen. Fragt lieber lieber nicht. Auch in Töpfen, Toastern oder DVD-Playern lassen sich ganz wunderbar Dinge verstauen. Findet zumindest unser Sohn. Leider vergisst er ziemlich schnell, wo er denn die Legofigur, das Lieblingsauto oder besagte Eieruhr so unglaublich gut versteckt hat.

In diesem Moment beginnt dann das große Suchen. Denn natürlich ist das vermisste Stück ab dem Zeitpunkt des Verschwindens das einzige akzeptable Spielzeug auf diesem Planeten, das ist ja logisch. Also kehren wir das unterste nach oben und und das oberste nach unten – und meistens taucht der Gegenstand dann an eigenartigster Stelle wieder auf.

Nicht so der Schuh.

Die Hausschuh-Ralley

Vor etwa zwei Wochen war auf einmal einer der Hausschuhe des Mini verschwunden. Ich weiß noch, dass er ihn anhatte, als wir ins Wohnzimmer gingen, das Zimmer dann erstmal nicht mehr verließen und dann: war er einfach weg. Auch die hektische Suche an den üblichen verdächtigen Stellen brachte keinen Erfolg und ließ mich langsam an meinem Verstand zweifeln. Ich überlegte schon, ob der Mini sich unbemerkt in den Flur geschlichen und den Schuh in den Keller geworfen hatte? Hatte er nicht. Oder ihn irgendwie in den Garten bugsiert hatte? Auch nicht. Aus dem Fenster geworfen? Ja, ich habe wirklich geguckt. Auch nicht.

Es hat mich unglaublich gefuchst, dass dieser Schuh einfach nicht mehr aufzufinden war. Tagelang habe ich die Schubladen durchforstet, unterm Sofa gesucht (Ergebnis: zwei vermisste Puzzleteile, ein angebissener Fruchtriegel und diverse Legosteine) und Schränke ausgeräumt. Nichts.

Ich habe den Mini befragt. Gut, jedes Elternteil weiß genau, wie unsinnig dieser Versuch war. Also habe ich das ziemlich schnell wieder gelassen.

Das. kann. einfach. nicht. sein.

Irgendwie musste dieser verdammte Schuh doch stecken? Er dürfte ja wohl kaum durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum gerutscht sein. Wobei…? Wer weiß das schon so genau. Um es kurz zu machen: ich habe aufgegeben. Ich habe es hingenommen, dass ein Schuh aus einem praktisch geschlossenen Raum verschwindet und wie vom Erdboden verschluckt ist. Ich habe meinem Sohn Rutschsocken angezogen und diese nicht mehr aus den Augen gelassen, bis…

…ja, bis der Mini mit seinem Playmobil-Bauernhof spielen wollte.

Und da fügten sich die Puzzleteile auf einmal auf magische Art und Weise zusammen. Ich weiß nicht wie er es geschafft hat, seinen Schuh in Größe 28 in dieses winzige Haus reinzupressen. Und es dann zu schließen und wegzuräumen. Ich bin auf jeden Fall nicht auf die Idee gekommen, DA hineinzuschauen.

Mein persönliches Raum Zeit-Kontinuum im Wohnzimmer scheint vollkommen in Ordnung zu sein. Ich setze also den Playmobil-Bauernhof und überhaupt jeden Gegenstand mit einem Innenraum über fünf Quadratzentimetern mit auf meine mentale „Orte-an-denen-ich-Dinge-suche“-Liste und frage mich ob ich jetzt wohl auch die Sache mit den zweiten Socken eventuell ange… Ach, nein. Der Schuh ist wieder da, wer braucht schon passende Socken.

Dauersuchende Grüße,
Eure Tina

About Kind Küche Chaos

38 Jahre alt - verheiratet - Wörter sind meine Welt - liebt die schönen Dinge des Lebens

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