Und täglich grüßt das Murmeltier – oder: Kinder, Routinen und Rituale

„Kinder brauchen Rituale“, „Habt ihr denn ein Einschlafritual?“ – bitte einmal die Hand hoch, wer von den mitlesenden Eltern eins von beidem oder beides schonmal gehört hat? Ach, alle. Hatte ich mir gedacht. Rituale und Routinen – also immer gleiche Abläufe bei bestimmten Dingen – sind offenbar die hohe Schule der Elternschaft, und die geheime Zauber-Zutat in den reibungslosen Abläufen des Familien-Getriebes, die letzte Bastion in der Verteidigung gegen das Chaos. Und, das klingt wirklich nicht so schwer, oder? Einfach alles immer gleich machen, das ist nun ja nicht gerade Atomphysik.

Dachte ich.

Unser Kind liebt Rituale. Meistens jedenfalls.

Bei uns läuft das mit den Ritualen so: der Mini liebt einige davon heiß und innig und besteht felsenfest auf deren Einhaltung. Die Folge Bobo Siebenschläfer vor dem Abendessen gehört dazu. Das süße Gummibärchen-Extra auf dem Obstteller am Nachmittag genauso. Die Papa-Exklusivzeit am Morgen. Andere braucht er, weil sie ihm Sicherheit geben. Die immer gleiche Reihenfolge beim Ankommen im Kindergarten zum Beispiel. Oder unseren gewohnten Ablauf bei Terminen in der Kinderarztpraxis.

Nicht so beliebt ist dagegen alles, was vom Spielen abhält. Anziehen, Zähneputzen, Umziehen, alle diese lästigen Dinge, mit denen Eltern Kinder daran hindern, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Da hilft bei uns auch kein Ritual und keine Routine, kein Anziehlied oder sonstige Zaubertricks aus der Eltern-Erziehungskiste. Ah, das Ins-Bett-Gehen habe ich noch vergessen – der Mini ist der ungekrönte König der „Nur-noch-fünf-Minuten-ich-muss-noch-eben…“-Verzögerungstaktik. Nur noch schnell einen Turm bauen, nur noch eben die Autos ins Parkhaus stellen. Nur noch die CD zu Ende hören. Nur noch etwas Wasser trinken. Nur noch das eine, bestimmte Kuscheltier suchen. Nur noch eine Geschichte. Ganz schnell, nur zwei Minuten. Wirklich!

Jeden Abend. JEDEN Abend.

Wir haben Rituale. Nur nicht immer meine.

Der Duden sagt übrigens, dass ein Ritual „ein wiederholtes, immer gleichbleibendes regelmäßiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung“ sei. Nun ja. Also aus der Sicht des Mini hat er dann also ein ganz wunderbares – und perfekt funktionierendes – Abendritual, das das Zu-Bett-Gehen ausgesprochen erfolgreich hinausschiebt. Alles eine Frage der Perspektive, fürchte ich.

Vielleicht bin ich als Mutter auch eher der Routinen-Typ? Routinen sind laut Duden nämlich quasi Rituale für Faule – also „etwas, das durch längere Anwendung zur Gewohnheit geworden ist“. Das entspricht schon eher unserer Familienpraxis. Das was gut läuft, machen wir so weiter. Und weiter. Und weiter. Und weiter.

Das mag jetzt nicht immer hundertprozentig pädagogisch wertvoll sein. Und vielleicht auch manchmal von außen ein kleines bißchen merkwürdig wirken. Wenn Sie also beim einkaufen mal eine etwas verwirrt wirkende, hinter einem Kleinkind mit völlig überladenen Mini-Einkaufswagen herrennende Mutter sehen, winken Sie mir ruhig. Wir nehmen nämlich IMMER einen kleinen Einkaufswagen, wenn es die gibt. Auch wenn meine Einkaufsliste drei A4-Seiten mit Fußnoten umfasst.

Und ja, unser Wocheneinkauf dauert seine Zeit und ist manchmal ein bißchen anstrengend. Alle Noch-nicht-Eltern kann ich aber beruhigen: er ist auch sehr viel lustiger als früher! Rituale sollen uns als Familie dienen, nicht wir Ihnen – das sollte man nie vergessen. Vielleicht muss ich auch deshalb immer heimlich ein bißchen grinsen, wenn ich auf die Fragen oben antworte: „Ja klar, wir haben ganz viele feste Rituale!“…

Also – wie immer: liebe Grüße,
Eure Tina 😉

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