9 Buchstaben – oder: wie auf einmal alles auf dem Kopf stand

Den Blog von Sassi lese ich wahnsinnig gerne und vor einigen Tagen hat sie einen Text geschrieben, der einfach nur… hach, heiße Schokolade mit Sahne und Marshmallows-schön ist. Besser kann ich das leider nicht beschreiben. Sie hat über neun Buchstaben, die das Leben verändern geschrieben. Neun Buchstaben, auf einem digitalen Testfenster.

Schwanger. Ich musste sofort daran denken, wie es war, als wir den Mini erwartet haben – und habe mich entschieden, das auch einmal aufzuschreiben. Den Moment, als neun Buchstaben alles auf die schönste Weise auf den Kopf gestellt haben.

Geduld, Geduld, Geduld. 

Nachdem einem in jungen Jahren immer wieder eingeimpft worden ist, dass quasi ein intensiver Blick ausreicht, um schwanger zu werden, stellt man sich das ganze etwas leichter vor, als es tatsächlich ist. Mein Mann war als mein Freund in mein Leben getreten, wir sind zusammengezogen, wir sind viel gereist und auf einmal war er da, der Wunsch. In der darauffolgenden Zeit wurde unsere Geduld allerdings etwas auf die Probe gestellt, aber darum soll es hier ja nicht gehen. Nur so viel: Geduld ist jetzt nicht unbedingt meine Stärke.

Der Freund hat sich also eine ganz wunderschöne Ablenkung von der Geduldsprobe einfallen lassen und hat mir Ende Dezember 2013 einen unglaublich romantischen Heiratsantrag gemacht. Und weil Geduld wie schon gesagt nicht mein zweiter Vorname ist, haben wir im Juli 2014 aus Freund & Freundin mit zwei Buchstaben und einem unglaublich großen Versprechen Mann & Frau gemacht.

Hochzeitsvorbereitungen, ein weißes Kleid und ganz viel Vorfreude

Die Monate vorher waren geprägt von unseren Hochzeitsvorbereitungen. Nicht so sehr, dass der große Wunsch in den Hintergrund rückte, aber doch ein bißchen weniger Raum einnahm. Ich hatte kurz überlegt, ob ich wohl ich schwanger ins Brautkleid passen würde und die Frage bejaht. Aber unser Sohn hatte ein anderes Timing.

Der große Tag war da und es war einfach wundervoll. Wir haben mit unserer Familie und unseren Freunden ein großes Fest gefeiert und alles war perfekt. Einige Tage später sind wir auf unsere Hochzeitsreise aufgebrochen, die uns auf mehreren Stationen an der Nordseeküste entlang bis nach Kopenhagen führte. Wir hatten so viel Glück, das Wetter war traumhaft – sogar regelrecht heiss und wir haben es uns richtig gut gehen lassen.

Gut, mir war zwischendurch nicht so ganz wohl. Und mir war andauernd zu warm. Und ständig so unfassbar müde. Aber die Hochzeitsvorbereitungen waren ja auch anstrengend.

Sehnsucht nach zu Hause und eine lange Rückfahrt

Weil ich also ein bißchen angeschlagen war, entschieden wir uns einen Tag früher nach Hause zurückzufahren und den geplanten Zwischenstopp ausfallen zu lassen. Neun Stunden Autofahrt, in denen ich nicht ein einziges Mal an die neun Buchstaben gedacht, dafür aber mit meinem Mann über Kindernamen diskutiert habe! Das Gehirn macht ja manchmal ganz schön komische Sachen.

Zu Hause angekommen, haben wir uns überlegt, den letzten Abend unserer Hochzeitsreise mit einem Besuch in unserem Lieblingsrestaurant zu verbringen. Der Plan war: das Auto stehen lassen und mit dem Taxi nach Hause fahren. Als ich dann meinem Mann mein Weinglas rüberschob und sagte „mir schmeckt der irgendwie nicht, trinkst du den?“, flatterten irgendwo in meinem Unterbewusstsein schon die neun Buchstaben hin und her.

Auf der Rückfahrt – ich bin dann doch gefahren, der Wein hat ja nicht geschmeckt – , habe ich ein wenig herumgerechnet. Im Kopf. Das Kalenderführen hatte ich über der großen Hochzeitssache vergessen. Also war ein bißchen raten auch mit dabei.

Hm, eigentlich müsste ich doch – aber ein paar Tage sind es ja immer – diese ganzen Anzeichen bildet man sich eh immer ein – dann wäre ich schon zehnmal schwanger gewesen – das wäre ja verrückt – das kann doch eigentlich nicht sein.

Am nächsten Morgen um 5 Uhr war ich wach. Und die neun Buchstaben hatten sich endgültig ins Bewusstsein vorgearbeitet. Also stand ich auf und machte einen Test. Hey, die soll man doch früh morgens machen, oder? Und da waren sie, die neun Buchstaben, die wir so ersehnt haben. Morgens um 5 Uhr, auf einem Teststreifen. Ein verspätetes Hochzeitsgeschenk.

Ich weiß, dass viele sich genau überlegen, wie sie ihrem Partner sagen, dass ein Baby unterwegs ist – und ehrlich gesagt, habe ich mir auch immer ausgemalt, dass ich meinem Mann ein paar Babyschuhe schenke, oder einen Schnuller oder irgend etwas ganz kreativ-romantisches plane. Die Realität war, dass ich die wundervollen neun Buchstaben nicht eine einzige Minute für mich behalten konnte, die Treppe runtergerannt bin und den Mann völlig unromantisch aus dem Bett gebrüllt habe mit „DA STEHT SCHWANGER, DA STEHT SCHWANGER, WIR BEKOMMEN EIN BABY!!!!“.

Und da sind wir dann wieder bei der Sache mit der Geduld. Wir kommen da in diesem Leben nicht mehr zusammen, fürchte ich. Ich habe alle vorhandene Geduld nämlich aufgebraucht, die nächsten neun Monate auf das sehnlich erwünschte Baby zu warten. Jetzt ist definitiv keine mehr da. 😉

Liebe Grüße,
Eure Tina

 

About Kind Küche Chaos

38 Jahre alt - verheiratet - Wörter sind meine Welt - liebt die schönen Dinge des Lebens

4 thoughts on “9 Buchstaben – oder: wie auf einmal alles auf dem Kopf stand

  1. So ein schöner Beitrag! Immer wieder schön zu lesen, wie so ein kleines Wesen zwei Menschen so glücklich machen kann. Und erinnert mich daran, wie es bei uns war. Hast du was dagegen wenn ich das aufgreife und meine Geschichte dazu ebenfalls schreibe? 😊

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